Joop Alberda sucht nach den Merkmalen des Spitzensports
Joop Alberda war Coach der Oranje-Volleyballmannschaft, die 1996 in Atlanta die Goldmedaille gewann. Später wurde dieser Augenblick zum schönsten niederländischen Sportmoment des Jahrhunderts gewählt. Nach diesem Erfolg wechselte Alberda zum niederländischen olympischen Sportbund NOC*NSF. Unter seiner ungemein motivierenden Leitung gewann die niederländische Olympia-Equipe im Jahr 2000 in Sydney nicht weniger als 25 Medaillen. Soeben ist Alberda als General Manager des Radsportteams Cervélo ausgeschieden und orientiert sich im Sport um.
So hat Joop Alberda gerade Bayern München und den New York Yankees einen Besuch abgestattet. „Ich will wissen, wie die besten Clubs der Welt ihren Sport organisieren. Was sie dabei kennzeichnet. Darauf bin ich neugierig; da liegt mein Ehrgeiz.“ Was er mit diesem Wissen anfangen wird, weiß er noch nicht. „Ich habe zwar als Berater mit verschiedenen Clubs zu tun, aber mit dieser speziellen Ambition habe ich kein konkretes Ziel vor Augen. Ich will wissen, welche Entwicklungen es gibt. Ich werde noch mehr Spitzenclubs besuchen, will lernen. Innerhalb des eigenen Sports ist so etwas normal, aber niemand übersteigt diese Grenzen einmal. Ich sehe Sport als ein paar Prinzipien vor jeweils wechselnder Kulisse. Wenn man quer durch diese Kulissen läuft, sieht man, was man aneinander haben kann. Wie machen die Eisschnellläufer das, und was können die Ruderer davon lernen? Eine ganze Menge.“
Als Volleyballcoach hat er sich die Teams von Brasilien, Kuba und Italien angesehen, die besten der Welt. Mit bekanntem Resultat. Beim NOC*NSF verknüpfte er mehrere Sportarten miteinander. Auch das war ein Erfolg, was die 25 Medaillen belegen. Topteams können auch etwas vom Geschäftsleben lernen, findet Alberda: „In jedem Unternehmen sind Einkaufsleiter und Verkaufsleiter zwei verschiedene Personen. Nicht so beim Fußball. Das hat sich im Laufe vieler Jahre so entwickelt. Dasselbe gilt für die Kamera, die nicht ins Tor darf. Vom Standpunkt des Geschäftslebens her ist das ein Unding. An manchen Traditionen wird zu lange festgehalten.“ So kann das Geschäftsleben etwas vom Sport lernen und der Sport vom Geschäftsleben.
Mittlerweile gehört er dem Beratergremium „Adviesraad 2028“ an – der Name spielt auf das Jahr an, in dem die Niederlande die Olympiade organisieren möchten, genau 100 Jahre nach den historischen Spielen in Amsterdam. „Ich bin für eine geschäftsmäßige Herangehensweise. Wir sollten uns mit dem Slogan The first Games ever below sea level profilieren – die ersten Spiele unter dem Meeresspiegel. Diese USP kann kein anderes Land bieten. Darum herum kann man eine komplette Kampagne organisieren, von der auch das Geschäftsleben optimal profitiert. Die Olympischen Spiele haben viele Anhänger, echte believers. Nun geht es darum, auch die non-believers mitzureißen. Und jeder hat gern trockene Füße. Wenn der Meeresspiegel steigt, dann ist das ein Problem, das alle angeht, nicht nur die Sportliebhaber. So würde ich das anpacken. An Ehrgeiz kein Mangel!“